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Vortrags- und Diskussionsabend
Die Bundeswehr im Umbruch:
Kommt mit dem Ende der Wehrpflicht
auch das Ende der Parlamentsarmee?
Referentin:

Frau Ulrike Merten
Präsidentin der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik
Bielefeld
am
Donnerstag, 24. Februar 2011, 19.30 Uhr
im
Offizierheim der Schule für Strategische Aufklärung der
Bundeswehr
Swinemünder
Straße 9 (im ehemaligen Marinestützpunkt Flensburg)
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Pressebericht zur Veranstaltung

Entfremdung von der Truppe
26. Februar 2011
| Von Alf Clasen
Abschaffung der
Wehrpflicht, drastische Truppenreduzierung, strikter
Sparkurs - Deutschlands Streitkräfte stehen vor einer
historischen Reform. Verständlich, dass
Verteidigungsminister
Karl-Theodor zu Guttenberg sich nichts sehnlicher
wünscht, als zur Sacharbeit zurückkehren zu können. In
Flensburg scheint man ihn erhört zu haben. Bei einer
Veranstaltung der Gesellschaft für Wehr- und
Sicherheitspolitik (GfW) zum Thema "Bundeswehr im
Umbruch" spielten weder die Plagiatsaffäre noch die
angeblichen Missstände auf der "Gorch Fock" eine Rolle.
Ja, GfW-Präsidentin Ulrike Merten (59) schaffte als
Referentin sogar das Kunststück, den Namen Guttenberg
erst nach mehr als eineinhalb Stunden das erste Mal über
ihre Lippen zu bringen. Stattdessen sprach sie von "dem
Minister", wenn es um dessen Ausgestaltung der künftigen
Freiwilligenarmee mit ihren voraussichtlich nur noch 185
000 Soldaten ging.
Die
Sozialdemokratin Merten, frühere Vorsitzende des
Verteidigungsausschusses des Bundestages, zeigte sich
wie der Großteil des Publikums in der Offiziersmesse
Mürwik skeptisch, ob in Zukunft genügend qualifizierter
Nachwuchs für die Truppe rekrutiert werden kann.
Deswegen sei eine kräftige Anschubfinanzierung der
Reform nötig. Merten wagte die Prognose, dass das "mehr
als ambitionierte" Ziel, im Verteidigungsetat 8,3
Milliarden Euro einzusparen, nicht erreicht werde. "Es
fehlen jetzt schon 7000 Zeit- und Berufssoldaten",
rechnete sie vor. Zudem werde man die Ausrüstung weiter
modernisieren müssen.
Die Frage eines
Zuhörers, ob die künftige Berufsarmee zu einem Staat im
Staate werden könnte, beantwortete Merten mit deutlichen
Worten: "Ich halte das für Quatsch. Das Prinzip der
inneren Führung und des Staatsbürgers in Uniform gilt
nicht nur für Wehrpflichtige, sondern für alle
Soldaten." Selbstverständlich werde auch der
Parlamentsvorbehalt bei Entscheidungen über
Auslandseinsätze fortbestehen. Ebenso werde eine
verkleinerte Truppe ihre Aufgaben meistern können. "Der
Umfang der Streitkräfte ist nicht mehr so entscheidend,
sondern deren Fähigkeiten."
Sorgen bereitet
der Wehrexpertin vielmehr die zunehmende Entfremdung
zwischen Gesellschaft und Armee. Merten zitierte
Ex-Bundespräsident Horst Köhler, der von einem
"freundlichen Desinteresse" der Deutschen gegenüber
ihren Soldaten gesprochen hatte, und verwies zugleich
auf die bevorstehenden Standortschließungen: "Die
Bundeswehr wird sich ein weiteres Mal aus der Fläche
zurückziehen." |